Erbkrankheiten
Die hier aufgeführten Erkrankungen können schwerwiegende gesundheitliche Folgen für betroffene Hunde haben – von chronischen Schmerzen über Muskel- und Nervenerkrankungen bis hin zu Erblindung oder Lähmung.
Da diese Krankheiten genetisch bedingt sind, lassen sie sich durch verantwortungsvolle Zucht gezielt verhindern. Durch die sorgfältige Auswahl der Elterntiere stellen wir sicher, dass unsere Welpen nicht von diesen Erbkrankheiten betroffen sind.
Bei den folgenden Erkrankungen handelt es sich um Erbkrankheiten, deren Erbgang genau bekannt ist. Dank moderner Gentests können Hunde eindeutig als gesund (N/N – normal/clear), Träger (carrier) oder erkrankt (affected) identifiziert werden.
Dadurch können Züchter ihre Verpaarungen gezielt so planen, dass diese Krankheiten nicht mehr an die Nachkommen weitergegeben werden und langfristig keine Bedrohung für die Rasse darstellen.
Wenn bei einer Verpaarung mindestens ein Elternteil als N/N – normal/clear getestet ist, können die daraus entstandenen Welpen niemals selbst an der entsprechenden Erbkrankheit erkranken.
Jeder zukünftige Welpenkäufer sollte sich bewusst machen, wie wichtig es ist, einen Labrador aus einer kontrollierten und seriösen Zucht zu erwerben – einer Zucht, in der die Elterntiere umfassend getestet wurden und Gesundheit stets an erster Stelle steht.
Augenerkrankungen
PRA – Progressive Retinaatrophie (prcd-PRA)
Eine fortschreitende Netzhauterkrankung, bei der die Sinneszellen im Auge langsam absterben. Zuerst tritt Nachtblindheit auf, später völlige Erblindung. Die Krankheit ist nicht heilbar, aber durch Gentests vermeidbar.
STGD – Stargardt-Syndrom (Retinale Degeneration)
Eine erblich bedingte Netzhauterkrankung, ähnlich der menschlichen Makuladegeneration. Sie führt schleichend zu Sehverlust bis zur vollständigen Erblindung und ist nicht behandelbar.
MCD – Makuläre Hornhautdystrophie
Eine erbliche Veränderung der Hornhaut, bei der sich Fettablagerungen bilden. Diese führen zu Hornhauttrübungen und eingeschränktem Sehvermögen. Eine Heilung ist nicht möglich.
Achromatopsie – Farben- und Tagblindheit
Bei dieser seltenen Erkrankung fehlen die Zapfen in der Netzhaut. Betroffene Hunde sehen nur Grautöne und sehen bei Tageslicht kaum etwas, während sie in der Dämmerung besser zurechtkommen. Die Krankheit ist angeboren und dauerhaft.
Nerven- und Muskelerkrankungen
EIC – Exercise Induced Collapse (belastungsinduzierter Kollaps)
Nach intensiver körperlicher Aktivität kommt es bei betroffenen Hunden zu plötzlichem Bewegungsverlust und Kollaps, meist bei Aufregung oder Training. In schweren Fällen kann die Erkrankung lebensbedrohlich werden.
DM – Degenerative Myelopathie
Eine progressive Erkrankung des Rückenmarks, die im mittleren bis höheren Alter auftritt. Sie führt zu Hinterhand-Schwäche, Lähmung und Verlust der Kontrolle über die Gliedmaßen. Die Krankheit ist unheilbar und endet tödlich.
CMS – Congenitale Myasthenie
Eine angeborene Störung der Signalübertragung zwischen Nerven und Muskeln. Schon junge Hunde wirken schwach, können kaum lange laufen und zeigen einen unsicheren Gang. Die Krankheit ist selten, aber sehr schwerwiegend und nicht heilbar.
XL-MTM – X-linked Myotubuläre Myopathie
Eine schwere, angeborene Muskelerkrankung, die vor allem Rüden betrifft. Betroffene Welpen zeigen starke Muskelschwäche, Atemnot und Wachstumsstörungen. Die Krankheit ist tödlich verlaufend und daher zuchtausschließend.
Alexander-Krankheit
Eine fortschreitende Erkrankung des zentralen Nervensystems (Leukodystrophie), die zu Koordinationsstörungen, Zittern und Muskelschwäche führt. Die Erkrankung ist unheilbar. Erkrankte Tiere müssen im Alter von etwas 4 Monaten eingeschläfert (euthanasiert) werden.
Myotonia congenita
Eine Erkrankung der Muskelspannung. Die Muskeln entspannen sich nach Anspannung zu langsam, was zu steifen Bewegungen führt, besonders nach Ruhephasen. Symptome bessern sich bei Bewegung, sind aber lebenslang vorhanden.
Narkolepsie
Eine neurologische Schlafstörung, bei der der Hund plötzlich einschläft oder erschlafft (Kataplexie). Die Krankheit ist nicht lebensgefährlich, kann aber das tägliche Leben stark beeinträchtigen.
Bewegungsapparat & Skelett
CDDY – Chondrodystrophie & IVDD-Risiko
Diese Mutation steht im Zusammenhang mit Bandscheibenvorfällen. Betroffene Hunde haben eine veränderte Bandscheibenstruktur, was zu Rückenproblemen, Schmerzen und Lähmungen führen kann. Eine Heilung ist nicht möglich – nur Vorsorge und Zuchtkontrolle schützen.
CDPA – Chondrodysplasie (Zwergwuchs)
Erbliche Form des verkürzten Knochenwachstums, die zu kurzen Gliedmaßen und orthopädischen Problemen führt. Betroffene Hunde zeigen oft eine auffällige Körperproportion und sind von der Zucht auszuschließen.
SD2 – Skeletal Dysplasia 2
Eine mildere Form des genetischen Zwergwuchses, bei der Hunde etwas kleiner und kompakter gebaut sind. Sie haben meist keine gesundheitlichen Einschränkungen, sollten aber nicht zur Zucht eingesetzt werden.
Blut- und Kreislauferkrankungen
Hämophilie A – Faktor-VIII-Mangel
Eine schwere Blutgerinnungsstörung, bei der selbst kleine Verletzungen zu langen Blutungen oder inneren Hämatomen führen können. Die Krankheit ist lebenslang und nicht heilbar und kann unter Narkose oder bei Verletzungen lebensgefährlich werden.
Von-Willebrand-Erkrankung Typ 1 (vWD1)
Eine milde bis moderate Blutgerinnungsstörung, die zu verzögerten Blutungen führt, z. B. nach Operationen oder Zahnbehandlungen. Typische Anzeichen sind wiederholte Magen-Darm-Blutungen mit oder ohne Durchfall, Nasenbluten, Lahmheiten durch Blutungen in den Gelengen. Durch Gentests lässt sich das Risiko zuverlässig ausschließen.
Pyruvatkinase-Defizienz (PK)
Eine schwere Form der erblichen Blutarmut (Anämie), bei der rote Blutkörperchen zu früh zerfallen. Die Krankheit führt zu Müdigkeit, Schwäche und lebensverkürztem Verlauf.
DAMS – Dyserythropoetische Anämie und Myopathie
Eine seltene kombinierte Blut- und Muskelerkrankung, die zu Blutarmut, Muskelschwäche und Wachstumsverzögerung führt. Sie gilt als schwerwiegend und nicht behandelbar.
Makrothrombozytopenie
Eine meist harmlose Veränderung der Blutplättchen, bei der sie größer, aber weniger zahlreich sind. Nur in Ausnahmefällen treten vermehrte Blutungen auf.
Stoffwechsel- und Organkrankheiten
Kupferspeicherkrankheit (CT)
Beim Labrador Retriever spielen bei der Kupferspeicherkrankheit zwei Genvarianten eine Rolle:
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das ATP7B-Gen als Risikofaktor,
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und das ATP7A-Gen als schützender Faktor.
Hunde mit der ATP7B-Mutation können Kupfer schlechter abbauen, wodurch es sich in der Leber einlagert und zu Leberschäden oder Zirrhose führen kann.
Die ATP7A-Variante hingegen verringert dieses Risiko deutlich und schützt vor einer übermäßigen Kupferansammlung. Durch den Gentest auf beide Varianten lässt sich erkennen, ob ein Hund anfällig, geschützt oder frei ist – ein wichtiger Beitrag, um Lebererkrankungen in der Zucht zu vermeiden.
Cystinurie Typ I-A
Eine Störung des Eiweißstoffwechsels, die zu Harn- und Nierensteinen führt. Diese können starke Schmerzen und lebensbedrohliche Blockaden der Harnwege verursachen.
Hyperurikosurie (HUU)
Ein Fehler im Harnsäurestoffwechsel, der zur Bildung von Blasen- oder Nierensteinen führt. Regelmäßige Kontrolle und spezielle Ernährung sind notwendig, wenn betroffene Hunde Symptome zeigen.
Adipositas (POMC-Mutation)
Diese genetische Variante beeinträchtigt das Sättigungsgefühl. Hunde mit dieser Mutation fressen oft übermäßig viel, was zu Fettleibigkeit, Gelenkproblemen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen kann. Es handelt sich nicht um eine Krankheit im engeren Sinn, sondern um eine genetische Veranlagung.
Maligne Hyperthermie (MH)
Eine lebensbedrohliche Reaktion auf bestimmte Narkosemittel. Der Körper reagiert mit rasantem Temperaturanstieg, Muskelstarre und Kreislaufversagen. Nur Gentests können gefährdete Tiere identifizieren und Leben retten.
Haut- und sonstige Erkrankungen
HNPK – Hereditäre Nasale Parakeratose
Eine chronische Hautveränderung der Nase, die zu trockener, rissiger und verkrusteter Haut führt. Sie ist zwar nicht lebensgefährlich, aber dauerhaft pflegebedürftig und unangenehm für den Hund.
Weitere seltene Erkrankungen
Larynxparalyse mit Polyneuropathie Typ 3 (LPPN3)
Eine Nervenkrankheit, die zu Kehlkopflähmung und generalisierter Muskelschwäche führt. Betroffene Hunde zeigen Atemnot, Würgen und Stimmveränderungen. In fortgeschrittenen Fällen kann die Krankheit lebensbedrohlich werden.
Fazit
Die genetischen Tests sind ein unverzichtbares Werkzeug für eine verantwortungsvolle Zucht.
Dank dieser Untersuchungen können wir sicherstellen, dass unsere Labradore gesund, leistungsfähig und frei von erblichen Erkrankungen sind – und damit die besten Voraussetzungen für ein langes, glückliches Leben an der Seite ihrer Familien haben.
